Kabelverschraubung-Größen: M- und PG-Gewinde auswählen

Bei einer Kabelverschraubung bestimmen zwei Maße die Auswahl: das Anschlussgewinde am Gehäuse und der zulässige Klemmbereich der Dichtung. M20 sagt nur, welches Gewinde in die Bohrung passt. Ob ein Kabel mit 8, 11 oder 14 Millimetern Außendurchmesser sicher gehalten und abgedichtet wird, steht im Datenblatt des konkreten Produkts.

Genau hier entstehen die meisten Fehlkäufe. Eine Verschraubung kann mechanisch ins Gehäuse passen und trotzdem am Kabel zu groß sein. Dann verliert sie Dichtigkeit und Zugentlastung. Umgekehrt beschädigt eine zu kleine Dichtung den Mantel oder lässt sich nicht normgerecht anziehen.

Kabelverschraubung-Größen: M- und PG-Gewinde auswählen
Kabelverschraubung-Größen: M- und PG-Gewinde auswählen

Kabelverschraubung-Größen schnell auswählen

  1. Kabelaußendurchmesser an mehreren Stellen messen.
  2. Vorhandene Gewindebohrung oder Lochgröße bestimmen.
  3. Klemmbereich im Herstellerdatenblatt mit dem Messwert abgleichen.
  4. Schutzart, Material, Temperatur und Chemikalienbeständigkeit prüfen.
  5. Zugentlastung, EMV, Ex-Schutz oder Mehrfachdichteinsatz nach Anwendung wählen.
  6. Montage- und Anzugsdrehmomente des Herstellers einhalten.

Die IEC 62444 legt Konstruktions- und Leistungsprüfungen für komplette Kabelverschraubungen fest und bezieht metrische Einführungsgewinde nach IEC 60423 ein. Die Schutzart eines Gehäuses wird nach IEC 60529 zum IP-Code klassifiziert. Eine aufgedruckte IP-Angabe gilt nur unter den vom Hersteller geprüften Montagebedingungen.

Metrische M-Größen und PG: Was die Bezeichnung aussagt

Moderne Kabelverschraubungen verwenden häufig metrische Feingewinde mit 1,5 Millimeter Steigung, etwa M12 × 1,5 bis M63 × 1,5. Der Zahlenwert bezeichnet den Gewinde-Nenndurchmesser. PG steht für Panzerrohrgewinde und kommt vor allem in Bestandsanlagen vor. Seine Nummer lässt sich nicht direkt in Millimeter umrechnen.

System Beispiel Bezeichnet Nicht daraus ableitbar
Metrisch M20 × 1,5 Gewinde-Nenndurchmesser und Steigung Klemmbereich des Kabels
PG PG 13,5 historische Gewindegröße 13,5 mm Durchmesser
NPT 1/2 NPT amerikanische Rohrnennweite 12,7 mm Außendurchmesser

Für neue IEC-orientierte Konstruktionen sind metrische Einführungen üblich. Bei Reparaturen kann ein PG-Gewinde erhalten bleiben, sofern Ersatzteil, Gehäusezulassung und Anwendung passen. Adapter vergrößern die Zahl der Dichtstellen und müssen selbst für Schutzart und Einsatz freigegeben sein.

Orientierungstabelle: M und PG nicht blind gleichsetzen

Die folgende Gegenüberstellung dient nur der Werkstattorientierung. PG und M haben unterschiedliche Profile und Außendurchmesser. Ein „ähnlicher“ Wert ist kein Schraubersatz.

häufige PG-Größe Gewinde außen ungefähr häufige metrische Nachbarschaft Hinweis
PG 7 12,5 mm M12 / M16 Profil und Steigung prüfen
PG 9 15,2 mm M16 nicht direkt austauschbar
PG 11 18,6 mm M20 Adapter oder neue Bohrung planen
PG 13,5 20,4 mm M20 / M25 Klemmbereich separat wählen
PG 16 22,5 mm M25 Gehäusewand und Mutter beachten
PG 21 28,3 mm M32 keine Gewindekompatibilität
PG 29 37,0 mm M40 Dichtkonzept neu bewerten
PG 36 47,0 mm M50 Platzbedarf innen prüfen

Wenn du das Gewinde nicht sicher kennst, miss Außendurchmesser und Steigung. Der Beitrag Kernloch und Gewindesteigung bestimmen erklärt die Messlogik. Fachartikel zu metrischen und zölligen Profilen findest du in der Kategorie Gewinde.

Kabeldurchmesser korrekt messen

Miss den fertigen Außenmantel mit einem Messschieber, ohne ihn sichtbar zusammenzudrücken. Bei ovalen, gewellten oder weichen Kabeln nimm zwei um 90 Grad versetzte Werte und prüfe, ob die Verschraubung diese Kabelart ausdrücklich zulässt. Gewebeschlauch, Schirmgeflecht oder ein später aufgebrachter Schutzschlauch zählen nur dann zum Klemmdurchmesser, wenn sie tatsächlich in der Dichtung liegen dürfen.

Wähle den Klemmbereich so, dass dein Messwert nicht genau auf einer Grenze liegt. Temperatur, Fertigungstoleranz und Alterung verändern den Mantel. Eine Verschraubung, deren Bereich 6 bis 12 Millimeter beträgt, ist für ein tatsächlich 12,2 Millimeter starkes Kabel nicht geeignet, auch wenn sich die Mutter mit Kraft aufsetzen lässt.

Warum M20 nicht immer denselben Kabelbereich hat

Der Dichteinsatz ist eine Produktentscheidung. Zwei M20-Verschraubungen können unterschiedliche Einsätze, Dichtwerkstoffe und Klemmbereiche besitzen. Es gibt Varianten mit kleinem Bereich, großem Bereich, geschlitzter Dichtung, Mehrfachbohrung oder Blindstopfen. Deshalb gehört neben der Gewindegröße immer die Artikelnummer in Stückliste und Wartungsunterlagen.

Auch die Gewindelänge zählt. Dünne Blechwände werden oft mit Gegenmutter montiert; dicke Gehäuse besitzen ein geschnittenes Gewinde. Ist das Anschlussgewinde zu kurz, greift die Mutter nicht ausreichend. Ist es zu lang, kann es innen Bauteile berühren oder die vorgesehene Dichtfläche verfehlen.

IP-Schutz entsteht erst im montierten System

IP66, IP67 oder IP68 beschreibt Prüfbedingungen für Schutz gegen Fremdkörper und Wasser. Die zweite Ziffer „8“ ist keine universelle Tauchtiefe; Tiefe und Zeit werden zwischen Hersteller und Anwender festgelegt und dokumentiert. Eine Verschraubung behält ihre Schutzart nur mit geeignetem Kabeldurchmesser, intakter Dichtung, korrekter Dichtfläche und vorgegebenem Drehmoment.

  • Gehäuseoberfläche muss eben, sauber und gratfrei sein.
  • Bei Durchgangsbohrungen kann ein zusätzlicher O-Ring nötig sein.
  • Lack, Pulverbeschichtung und Gehäusekrümmung dürfen den Sitz nicht stören.
  • Die Überwurfmutter wird nach Datenblatt angezogen, nicht „so fest wie möglich“.
  • Nach Wartung werden gequetschte, rissige oder verhärtete Dichtungen ersetzt.

Material passend zur Umgebung

Material Stärken Grenzen
Polyamid leicht, korrosionsfrei, elektrisch isolierend UV, Chemikalien und Temperaturbereich produktspezifisch
Messing vernickelt robust, gute mechanische Eigenschaften, EMV-Varianten Korrosionsumgebung und Potentialausgleich prüfen
Edelstahl hohe Korrosionsbeständigkeit bei passender Güte teurer, Fressneigung im Gewinde beachten
Dichtwerkstoffe NBR, EPDM, Silikon und weitere für definierte Medien nicht jeder Elastomer verträgt Öl, UV oder hohe Hitze

Im Außenbereich reicht „Edelstahl“ als Auswahlkriterium nicht. Chloride, Reinigungsmittel, Temperaturwechsel und galvanische Paarungen können die Lebensdauer bestimmen. Für Lebensmittel, Bahn, Marine, Solar oder chemische Anlagen gelten zusätzliche Freigaben.

Zugentlastung, Knickschutz und EMV

Eine Dichtung, die Wasser abhält, ist nicht automatisch eine geprüfte Zugentlastung. IEC 62444 unterscheidet Leistungsmerkmale kompletter Verschraubungen. Wenn das Kabel bewegt wird, muss die Ausführung die auftretenden Zug- und Biegekräfte aufnehmen. Ein Spiralknickschutz hilft bei wiederholter Biegung, ersetzt aber keine saubere Kabelführung.

Bei geschirmten Leitungen braucht eine EMV-Verschraubung einen definierten, umlaufenden Kontakt zum Schirm und einen leitfähigen Gehäuseanschluss. Das Schirmgeflecht will fachgerecht freigelegt werden, ohne Leiter oder Isolierung zu verletzen. Kunststoffverschraubungen erfüllen diese Aufgabe nur mit einem dafür vorgesehenen System.

Montage in sieben Schritten

  1. Anlage spannungsfrei schalten und gegen Wiedereinschalten sichern.
  2. Bohrung messen, entgraten und die Dichtfläche reinigen.
  3. Komponenten in Herstellerreihenfolge auf das Kabel schieben.
  4. Verschraubung mit Dichtung oder Gegenmutter ins Gehäuse setzen.
  5. Kabel ohne Zug und mit ausreichendem Biegeradius positionieren.
  6. Anschlusskörper und Überwurfmutter mit vorgegebenem Drehmoment anziehen.
  7. Sitz, Zugentlastung und gegebenenfalls IP- oder EMV-Anforderung prüfen.

Arbeiten an elektrischen Anlagen dürfen nur im eigenen zulässigen Kompetenzbereich erfolgen. Bei Netzspannung, Ex-Bereichen, Maschinenrichtlinien oder sicherheitsrelevanten Steuerungen übernimmt eine Elektrofachkraft Planung, Anschluss und Prüfung.

Häufige Auswahlfehler

  • Kabelbereich aus der Gewindegröße schätzen.
  • PG und metrisch wegen ähnlichem Außendurchmesser mischen.
  • IP68 ohne die zugehörige Tiefe, Zeit und Montagebedingung vergleichen.
  • Ein ovales Kabel in einer Dichtung für Rundkabel einsetzen.
  • EMV-Anforderung erst nach der Gehäusefertigung bemerken.
  • Überwurfmutter anziehen, bis der Mantel sichtbar eingeschnitten ist.

Sonderfälle: Mehrfachdichtung, Wellrohr und Blindverschluss

Ein Mehrfachdichteinsatz führt mehrere einzelne Leitungen durch eine Verschraubung. Jede Bohrung besitzt einen begrenzten Kabelbereich; ungenutzte Öffnungen brauchen die dafür vorgesehenen Blindstifte. Werden zwei Kabel gemeinsam durch eine normale Runddichtung geführt, bleiben zwischen den Mänteln Kapillarspalten. Die angegebene IP-Schutzart ist dann nicht belegt.

Wellrohre, Spiralschläuche und armierte Kabel benötigen eigene Anschlussfamilien. Die Dichtung muss zur Oberflächenform passen, und bei armierten Kabeln kann eine definierte Klemmung der Armierung gefordert sein. Ein glatter Standard-Dichteinsatz dichtet auf einer tiefen Welle nicht zuverlässig. Für flexible Leitungen mit hoher Bewegung ist eine separate Abfangung oft sinnvoll, damit nicht jede Biegung an der Verschraubung endet.

Unbenutzte Gehäuseöffnungen werden mit geprüften Blindverschlüssen derselben Schutzanforderung geschlossen. Ein loses Stück Kabel, Silikon oder eine beliebige Schraube ist kein gleichwertiger Ersatz. Bei späterer Nachrüstung bleiben Artikelnummer und Montagevorgabe dadurch nachvollziehbar.

Bohrung und Dichtfläche planen

Für eine Durchgangsbohrung zählt nicht nur der Gewindeaußendurchmesser. Hersteller nennen den zulässigen Lochdurchmesser, den Platz für Gegenmutter und Werkzeug sowie die erforderliche Wandstärke. Eine gestanzte Öffnung muss gratfrei sein; scharfe Kanten beschädigen Leitung und Flachdichtung. Auf gekrümmten Gehäuseflächen kann ein Adapterblech oder eine plan bearbeitete Fläche nötig sein.

Bei metallischen Gehäusen beeinflusst die Beschichtung den Potentialausgleich. Eine EMV-Verschraubung braucht an der vorgesehenen Kontaktstelle einen dauerhaft leitfähigen Übergang; wahlloses Abschleifen kann wiederum Korrosionsschutz und Gehäusezulassung beeinträchtigen. Das Anschlusskonzept gehört deshalb in die Konstruktion, nicht erst in die Montage.

Wartungscheck nach dem ersten Betriebsjahr

  • Risse, Versprödung, Korrosion und Verfärbung kontrollieren.
  • Kabel auf Wandern, Quetschung und unzulässigen Biegeradius prüfen.
  • Gelöste Muttern nur nach Herstellerverfahren nachziehen.
  • Nach Kabeltausch Dichteinsatz und Verschraubung neu bewerten.
  • Bei Außenanlagen Wasserlauf und Tropfschleife kontrollieren.

Eine korrekt dimensionierte Verschraubung ist kein wartungsfreies Bauteil für jede Umgebung. UV-Strahlung, Reinigungschemie, Vibration und Temperaturwechsel können Werkstoff und Klemmung verändern. Die Prüfintervalle richten sich nach Risiko und Anlage; auffällige Bauteile werden ersetzt, nicht mit zusätzlicher Dichtmasse überzogen.

Kondenswasser und Einbaulage

Eine hohe IP-Schutzart verhindert nicht, dass Feuchtigkeit im geschlossenen Gehäuse kondensiert. Temperaturwechsel können feuchte Luft über andere Öffnungen oder während Wartung eintragen. Kabel werden im Außenbereich mit Tropfschleife geführt, damit Wasser nicht entlang des Mantels zur Verschraubung läuft. Die Einführung von unten reduziert die direkte Wasserbelastung, wenn Konstruktion und Biegeradius das zulassen.

Entwässerung, Druckausgleich und Belüftung sind Aufgaben des gesamten Gehäusekonzepts. Ein nachträglich gebohrtes Loch würde die geprüfte Schutzart aufheben. Nutze dafür vorgesehene, qualifizierte Elemente und beachte die Einbauposition. Bei starken Temperaturwechseln kann eine Druckausgleichsverschraubung sinnvoll sein; sie ersetzt keine korrekte Kabelabdichtung.

Beschrifte Leitung und Verschraubung in der Dokumentation, nicht auf der Dichtfläche. So bleibt bei Wartung klar, welches Ersatzteil geprüft wurde.

Praxisfazit: Gewindegröße, Kabelklemmbereich und Leistungsmerkmale sind drei getrennte Auswahlachsen. Erst wenn alle drei passen und die Montagebedingungen eingehalten werden, hält die Verschraubung Kabel, Wasser und mechanische Last so zurück, wie es die Anwendung verlangt.

Häufige Fragen

Welche Kabelverschraubung passt zu welchem Kabel?

Der gemessene Kabelaußendurchmesser muss innerhalb des Klemmbereichs im Herstellerdatenblatt liegen. Zusätzlich müssen Gewinde, Schutzart, Temperatur, Material und geforderte Zugentlastung passen. Die Gewindegröße allein bestimmt den Kabelbereich nicht.

Welchen Kabeldurchmesser nimmt eine M20-Kabelverschraubung auf?

Das ist produktabhängig. M20 beschreibt das Anschlussgewinde, nicht die Dichtungsöffnung. Verschiedene M20-Modelle besitzen unterschiedliche Klemmbereiche. Verlässlich ist nur die konkrete Artikelnummer mit Herstellerdatenblatt.

Sind PG 13,5 und M20 austauschbar?

Nein. Die Außendurchmesser liegen nah beieinander, doch Profil und Steigung unterscheiden sich. Eine erzwungene Paarung beschädigt Gewinde und gefährdet die Dichtung. Nutze eine passende Verschraubung, einen freigegebenen Adapter oder ändere die Bohrung fachgerecht.

Was bedeutet IP68 bei einer Kabelverschraubung?

Die Verschraubung wurde unter festgelegten Bedingungen gegen Staub und dauerhaftes Untertauchen geprüft. Bei der Ziffer 8 müssen Wassertiefe und Prüfzeit angegeben werden. Die Einstufung gilt nur mit passendem Kabel, Dichtung und korrekter Montage.

Wie messe ich den Kabeldurchmesser?

Miss den vollständigen Außenmantel mit einem Messschieber an mehreren Stellen, ohne weiches Material zusammenzudrücken. Bei ovalen Kabeln werden beide Achsen gemessen. Beide Werte müssen zur freigegebenen Kabelgeometrie und zum Klemmbereich passen.

Braucht eine Kabelverschraubung eine Gegenmutter?

Bei einer Durchgangsbohrung im dünnen Gehäuse wird häufig eine Gegenmutter verwendet. In einer ausreichend langen Gewindebohrung kann sie entfallen. Gewindelänge, Wandstärke, Dichtfläche und Herstelleranweisung geben die Montageart vor.

Kann eine normale Kabelverschraubung ein geschirmtes Kabel erden?

Nur eine dafür vorgesehene EMV-Verschraubung stellt einen definierten Schirmkontakt her. Sie braucht einen fachgerecht vorbereiteten Kabelschirm und eine leitfähige Verbindung zum Gehäuse. Eine gewöhnliche Kunststoffdichtung erfüllt diese Funktion nicht.

Wie fest wird eine Kabelverschraubung angezogen?

Mit dem im Datenblatt genannten Drehmoment für Anschlusskörper und Überwurfmutter. Ein pauschaler Wert wäre falsch, weil Größe, Material, Dichteinsatz und Kabel variieren. Zu wenig Drehmoment kann lecken, zu viel kann Dichtung oder Mantel schädigen.

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