Schraube aufdrehen: Richtung erkennen und Probleme lösen
Eine normale Schraube drehst du gegen den Uhrzeigersinn auf – betrachtet von der Seite des Schraubenkopfs. Merksatz: rechts fest, links los. Es gibt Ausnahmen: Linksgewinde, Sicherungen und Bauteile mit gegenläufiger Drehrichtung. Bevor du Kraft aufbaust, kläre deshalb Blickrichtung, Gewindeart und Werkzeugpassung. Das verhindert einen rundgedrehten Kopf.
Jeder Heimwerker kennt das Problem: Man möchte eine Reparatur durchführen, aber man scheitert bereits an der ersten Schraube. Die Unsicherheit beginnt oft schon bei der Frage nach der richtigen Drehrichtung, um die Schraube aufdrehen zu können. Wenn sie dann noch festgerostet oder der Kopf beschädigt ist, scheint guter Rat teuer. Doch mit dem nötigen Grundwissen und ein paar cleveren Tricks lässt sich nahezu jede Schraube problemlos lösen. In diesem Artikel erfahren Sie nicht nur die wichtigste Grundregel für die Drehrichtung, sondern auch bewährte Methoden für echte Problemfälle. Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit dem richtigen Werkzeug und Hausmitteln schnell zum Erfolg kommen. Lesen Sie weiter und werden Sie zum Meister über jede noch so hartnäckige Schraubverbindung.

Das Wichtigste in Kürze
- Linksgewinde sind selten, der absolute Standard ist das Öffnen gegen den Uhrzeigersinn.
- Die Eselsbrücke „Lefty loosey, righty tighty“ hilft bei der Orientierung.
- Kriechöl und Rostlöser sind bei festsitzenden, verrosteten Gewinden unverzichtbar.
- Wärme dehnt das umgebende Material aus und kann helfen, festsitzende Schrauben zu lockern.
- Ein Haushaltsgummiband zwischen Schraubenkopf und Werkzeug bietet Halt bei abgenutzten Profilen.
Auf einen Blick: In welche Richtung öffnet man eine Schraube?
Um eine normale Schraube aufzudrehen, müssen Sie das Werkzeug nach links, also gegen den Uhrzeigersinn, drehen. Eine einfache Eselsbrücke lautet: „So lang das deutsche Reich besteht, wird die Schraube nach rechts gedreht“ – folglich löst man sie nach links. Nur in sehr seltenen Ausnahmefällen, wie beim linken Fahrradpedal oder bei Gasflaschen, kommt ein Linksgewinde zum Einsatz, welches im Uhrzeigersinn geöffnet wird.
1. Grundregel: Die richtige Drehrichtung erkennen
Wer sich an das Schraube aufdrehen macht, sollte zuerst die grundlegende Mechanik des Gewindes verstehen. In der europäischen und internationalen Normung hat sich das sogenannte Rechtsgewinde als absoluter Standard durchgesetzt. Das bedeutet für Sie in der Praxis, dass Sie zum Lösen stets eine Bewegung gegen den Uhrzeigersinn ausführen müssen. Man dreht das Werkzeug also nach links, um die Verbindung zu lockern und die Schraube herauszuführen. Diese Standardisierung sorgt dafür, dass Handwerker auf der ganzen Welt nicht bei jeder Verbindung neu überlegen müssen. Es gibt nur sehr wenige Spezialfälle, bei denen Sie von dieser Regel abweichen müssen. Zu diesen Ausnahmen zählen beispielsweise die Ventile von Gasflaschen oder die linke Pedale an einem Fahrrad. Wenn Sie jedoch an Möbeln, Autos oder normalen Haushaltsgeräten arbeiten, können Sie sich zu fast einhundert Prozent auf das Linksdrehen zum Öffnen verlassen.
2. Eselsbrücken für das Schraubenlösen
Gerade für Anfänger im Heimwerkerbereich ist es nicht immer leicht, sich die richtige Drehrichtung sofort ins Gedächtnis zu rufen. Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl von Eselsbrücken, die Ihnen das Leben und das Schraube aufdrehen deutlich erleichtern. Ein im deutschsprachigen Raum sehr bekannter und alter Merkspruch lautet: „Solang das deutsche Reich besteht, wird die Schraub‘ nach rechts gedreht.“ Daraus lässt sich im Umkehrschluss logisch ableiten, dass die Schraube zum Öffnen nach links gedreht werden muss. Im englischsprachigen Raum bedient man sich gerne der einprägsamen Phrase „Lefty loosey, righty tighty“, was übersetzt etwa „Links locker, rechts fest“ bedeutet. Auch die Bewegung einer Uhr kann als visuelle Hilfestellung dienen. Stellen Sie sich einfach das Ziffernblatt vor und bewegen Sie Ihr Werkzeug entgegen dem normalen Lauf der Zeiger. Mit diesen einfachen kognitiven Stützen gehört langes Überlegen oder falsches Drehen endgültig der Vergangenheit an.
3. Das passende Werkzeug wählen
Der Erfolg beim Schraube aufdrehen steht und fällt maßgeblich mit der Wahl des korrekten Werkzeugs. Es reicht nicht aus, einfach irgendeinen Schraubendreher zu greifen, der gerade noch so in den Schraubenkopf passt. Das Profil des Werkzeugs muss exakt mit dem Antrieb der Schraube übereinstimmen, egal ob es sich um Schlitz, Kreuzschlitz, Torx oder Inbus handelt. Wenn Sie einen zu kleinen oder falsch geformten Aufsatz verwenden, riskieren Sie das sofortige Runddrehen des Kopfes. Achten Sie auch auf eine gute Qualität Ihrer Werkzeuge, da billige Materialien schnell abnutzen und die Kraft nicht optimal übertragen. Bei besonders fest sitzenden Verbindungen kann ein Schraubendreher mit einem durchgehenden Metallschaft sehr nützlich sein. Eine Knarre oder eine Umschaltknarre bietet Ihnen zusätzlich den Vorteil eines längeren Hebels, wodurch Sie deutlich mehr Kraft ausüben können. Prüfen Sie immer vor dem ersten Krafteinsatz, ob das Bit oder der Schraubendreher wirklich wackelfrei und tief im Schraubenkopf sitzt.
4. Festsitzende Schrauben mit Kriechöl lösen
Oftmals lässt sich eine Schraube nicht aufdrehen, weil Rost oder Schmutz das Gewinde im Laufe der Zeit festgefressen haben. In solchen frustrierenden Situationen ist der blinde Einsatz von roher Gewalt der absolut falsche Weg. Stattdessen sollten Sie auf die chemische Unterstützung von hochwertigem Kriechöl oder Rostlöser setzen. Sprühen Sie das Mittel großzügig auf den Bereich, in dem der Schraubenkopf auf das Material trifft, und geben Sie ihm Zeit zum Wirken. Die speziellen Kriecheigenschaften sorgen dafür, dass die Flüssigkeit tief in die kleinsten Zwischenräume des Gewindes eindringt. Manchmal ist es ratsam, diesen Vorgang über mehrere Stunden oder sogar über Nacht wiederholt durchzuführen. Ein leichter Schlag mit dem Hammer auf den Schraubenkopf kann während der Einwirkzeit helfen, die Rostkrusten im Gewinde aufzubrechen. Sobald das Kriechöl seine Arbeit getan hat, lässt sich die Verbindung meist mit einem sanften, ruckartigen Drehen gegen den Uhrzeigersinn endlich lösen.
5. Wärme und Kälte clever einsetzen
Wenn chemische Mittel nicht ausreichen, bietet die Physik fantastische Möglichkeiten, um eine widerspenstige Schraube aufdrehen zu können. Das Prinzip der thermischen Ausdehnung ist ein hervorragender Helfer bei scheinbar unlösbaren metallischen Verbindungen. Wenn Sie das umgebende Material vorsichtig mit einem Heißluftföhn oder einem kleinen Gasbrenner erhitzen, dehnt es sich minimal aus. Gleichzeitig bleibt die Schraube selbst idealerweise etwas kühler, wodurch sich der feste Griff im Gewinde lockert. Alternativ können Sie auch spezielle Kältesprays aus dem Baumarkt verwenden, die direkt auf die Schraube gesprüht werden. Durch den plötzlichen Kälteschock zieht sich das Metall der Schraube blitzartig zusammen. Dieser mikroskopische Schwund bricht die innere Korrosion auf und löst die Verspannung in den Gewindeflanken. Achten Sie bei der Anwendung von extremen Temperaturen jedoch unbedingt auf brennbare Materialien oder empfindliche Kunststoffteile in der unmittelbaren Umgebung.
6. Der Gummiband-Trick für ausgenudelte Schraubenköpfe
Ein klassisches Horrorszenario beim Heimwerken ist der komplett abgenutzte oder rundgedrehte Schraubenkopf. Oft passiert dies, wenn man zuvor abgerutscht ist oder von Anfang an das falsche Werkzeug verwendet hat. Dennoch müssen Sie jetzt nicht direkt zum Bohrer greifen, um das Problem gewaltsam zu beseitigen. Ein simpler, aber genialer Trick erfordert lediglich ein etwas breiteres Haushaltsgummiband. Legen Sie das Gummiband direkt flach über den defekten Schraubenkopf, bevor Sie das Werkzeug ansetzen. Drücken Sie nun den Schraubendreher fest durch das Gummi in die verbliebene Öffnung des Profils. Das weiche Material füllt die Lücken auf, erhöht die Reibung enorm und verhindert ein erneutes Durchrutschen des Metalls. Mit hohem und konstantem Anpressdruck drehen Sie nun langsam nach links, wodurch sich auch stark beschädigte Exemplare oft noch wunderbar herausdrehen lassen.
Schraube aufdrehen: die sichere Kurzantwort
- Direkt auf den Schraubenkopf blicken.
- Bei normalem Rechtsgewinde nach links, also gegen den Uhrzeigersinn drehen.
- Werkstück fixieren und passenden Bit vollständig einsetzen.
- Geraden Druck in Schraubenachse halten.
- Steigt der Widerstand stark, nicht ruckartig weiterdrehen.
Warum die Blickrichtung so oft verwirrt
Von der Mutterseite wirkt dieselbe Bewegung gespiegelt. Beschreibe die Drehrichtung daher immer aus Sicht des Werkzeugangriffs. Bei einer durchgesteckten Schraube kann es sinnvoll sein, Mutter und Kopf mit zwei Werkzeugen gegeneinander zu halten. Sonst dreht das gesamte Verbindungselement nur mit.
Linksgewinde erkennen
| Hinweis | Was er bedeutet |
|---|---|
| Markierung „LH“ | Left Hand, also Linksgewinde |
| Kerben an Mutter oder Kopf | möglicher Herstellerhinweis auf Linksgewinde |
| Bauteil dreht im Betrieb | Gewinde kann sich durch Gegenrichtung selbst sichern |
| Dokumentation nennt Linksgewinde | Angabe hat Vorrang vor dem Merksatz |
Linksgewinde werden zum Lösen im Uhrzeigersinn gedreht. Typische Einsatzorte sind einzelne Pedale, rotierende Maschinenteile und bestimmte Gasanschlüsse. Nie nur aufgrund des Einsatzorts raten: Kennzeichnung oder Herstellerunterlage prüfen.
Passender Bit vor mehr Kraft
PH und PZ sehen ähnlich aus, greifen aber unterschiedlich. Auch Torx, Innensechskant und Schlitz benötigen die richtige Größe. Ein zu kleiner Bit konzentriert die Kraft auf wenige Kanten. Die DGUV-Information zum Arbeiten mit Handwerkzeugen empfiehlt ein genau passendes Werkzeug, ein gesichertes Werkstück, Schutzbrille und einen allmählichen Kraftaufbau.
- Bitaufnahme von Farbe, Leim und Schmutz befreien.
- Werkzeug senkrecht halten; seitliches Kippen fördert Cam-out.
- Bei Kreuzschlitz kräftig axial drücken.
- Schlagschraubendreher nur an dafür geeigneten Schrauben und Bauteilen nutzen.
- Bei Elektrogeräten vorher Energieversorgung trennen.
Wenn die Schraube nicht aufgeht: Eskalationsleiter
- Verbindung reinigen und Drehrichtung erneut prüfen.
- Rostlöser sparsam anwenden und einwirken lassen.
- Mit leichtem Anziehen Rostbrücken zu lösen versuchen.
- Kurze kontrollierte Impulse statt langer Gewalt einsetzen.
- Bei beschädigtem Kopf auf Grip-Nuss oder Ausdreher wechseln.
Für stark korrodierte Verbindungen steht die ausführliche Anleitung festsitzende Schrauben lösen bereit. Bauform und Antrieb erklärt der Überblick Schraubenaufbau und Schraubenarten.
Stoppen, bevor der Kopf rund ist
Wenn der Bit hochsteigt, Metallspäne entstehen oder sich der Antrieb sichtbar verformt, sofort entlasten. Reinige die Aufnahme, wähle die exakte Größe und entscheide neu. Ein noch halbwegs intakter Kopf bietet weit mehr Optionen als eine glattgedrehte Vertiefung.
Häufige Fragen
In welche Richtung dreht man eine Schraube auf?
Ein übliches Rechtsgewinde löst sich gegen den Uhrzeigersinn, betrachtet vom Schraubenkopf.
Was bedeutet rechts fest, links los?
Im Uhrzeigersinn wird ein Rechtsgewinde angezogen, gegen den Uhrzeigersinn gelöst.
Wann dreht man eine Schraube zum Lösen nach rechts?
Bei einem Linksgewinde. Kennzeichnung und Herstellerunterlage müssen diese Ausnahme bestätigen.
Warum dreht sich die Schraube, aber kommt nicht heraus?
Möglicherweise dreht die Mutter mit, das Gewinde ist beschädigt oder die Schraube greift nicht mehr im Material.
Wie erkenne ich PH und PZ?
PZ-Schrauben besitzen häufig zusätzliche feine Linien zwischen den Hauptschlitzen; am sichersten ist die Werkzeug- und Schraubenkennzeichnung.
Soll man eine festsitzende Schraube ruckartig lösen?
Nein. Kontrollierter Kraftaufbau schützt Antrieb, Werkzeug und Hände besser.
Was tun, wenn der Schraubenkopf rund wird?
Sofort stoppen, Aufnahme reinigen und auf ein passendes Rettungswerkzeug wie Grip-Nuss oder Ausdreher wechseln.
Darf ich einen Hebel am Schraubendreher verlängern?
Nur wenn Werkzeug und Schraube dafür ausgelegt sind. Improvisierte Verlängerungen erhöhen Bruch- und Verletzungsgefahr.